Neigungskompensation aktivieren: IMU-Initialisierung beim Leica FLX100 plus und Leica GS05
Wie funktioniert Neigungskompensation?
FLX100 plus und GS05 nutzen ein integriertes MEMS-Inertialsystem (Dreiachsen-Beschleunigungssensor und Dreiachsen-Gyroskop), um die Haltung des Messstabes in Echtzeit zu bestimmen. Aus Stabneigung und -richtung berechnet das Gerät automatisch die korrekte Position der Stockspitze. Das System ist unempfindlich gegenüber magnetischen Störfeldern, da es ausschliesslich auf Inertialsensoren basiert, ohne Kompassabhängigkeit.
Die Sensorkalibrierung selbst erfolgt einmalig im Werk und muss im Feld nicht wiederholt werden. Was vor der ersten Messung im Feld stattfindet, ist eine Initialisierung: Das Gerät muss die aktuelle Stabhaltung bestimmen und die IMU-Biases schätzen.
Schritt-für-Schritt: Initialisierung im Feld
Vorbereitung
- Gerät einschalten und Bluetooth-Verbindung zu Zeno Mobile One oder Zeno Connect herstellen.
- Mit RTK Dienst verbinden und Empfang von Korrekturdaten abwarten. Die Initialisierung setzt eine aktive GNSS-Lösung voraus.
-
Eingestellte Stocklänge in der App prüfen. Eine falsch erfasste Stocklänge führt zu einem systematischen Höhenfehler, der durch die Neigungskompensation nicht korrigiert wird.
Initialisierung auslösen
- Bevor ein RTK Fix erreicht wird, verschwindet bei nicht initialisierter IMU die Genauigkeitsanzeige sowie die Positionsinformation.
- Jetzt die Lotstabspitze am Boden fixieren
- Danach den Lotstab mit der Antenne mehrmals zügig von vorne nach hinten sowie von links nach rechts schwenken (bis jeweils max. 30 Grad)
- Den Fortschrittsring in der App beobachten. Dieser sollte sich nach kurzer Zeit kontinuierlich grün färben. Sobald der Kreis grün ist, steht eine zuverlässige Neigungskompensation zur Verfügung.
|
|
|
Die Logik ist einfach: Je weiter der Kreis gefüllt ist, desto besser ist die Initialisierungsqualität und desto zuverlässiger ist die Neigungskompensation. Erst wenn der Kreis grün geschlossen ist, steht die volle Genauigkeit zur Verfügung.
Dieser Vorgang dauert typischerweise wenige Sekunden, wird durch Bewegung ausgelöst und muss nach jedem Neustart der Antenne, längerem Stillstand oder GNSS Empfangsverlust wiederholt werden.
|
|
|
Erlaubte Neigung nach abgeschlossener Initialisierung
| Gerät | Zulässige Neigung |
|---|---|
| Leica Zeno FLX100 plus | unbegrenzt (Hz-Unsicherheit < 1,8 cm bei 30 Grad) |
| Leica GS05 | bis 30 Grad |
Typische Fehlerquellen
Initialisierung schlägt fehl oder dauert lange
Ursache ist fast immer ein schwaches oder fehlendes GNSS-Signal. In ungünstiger Abdeckungssituation (Unterführungen, dichte Bebauung) in eine offenere Position wechseln und erneut losgehen. Sicherstellen, dass die Neigungskompensation in den Einstellungen von Zeno Connect aktiviert ist.
Messungen mit Neigung liegen horizontal versetzt
Häufigste Ursache: falsch eingetragene Stocklänge. Jeder Längenfehler multipliziert sich mit dem Sinus des Neigungswinkels zum horizontalen Versatz. Zweithäufigste Ursache: Messung begonnen, bevor der grüne Kreis vollständig war.
IMU-Status springt auf "nicht initialisiert" zurück
Das tritt nach längerem Stillstand oder kurzzeitigem GNSS-Ausfall auf. Lösung: einige Meter losgehen, bis der Kreis wieder vollständig geschlossen ist.

